Visions-Workshop – mit Träumen kompetent die Zukunft gestalten

Sebastian, du hast vor kurzem mit einem Lehrer:innenkollegium einen Visions-Workshop durchgeführt. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen? Und was habt ihr gemacht?

Das Kollegium hatte ‒ durch die Corona-Pandemie befeuert ‒ drängende Fragen: Wo stehen wir und wo wollen wir hin? Wie wollen wir uns weiterentwickeln, um auch in Zukunft unseren Idealen gerecht zu werden und unsere Arbeit gut machen zu können? Im Workshop haben wir dann dazu eine Gedankenreise gemacht.

Wir haben eine Gedankenreise gemacht.

Was kann man sich unter einer Gedankenreise vorstellen?

Es ist eine Methode, um sich in die Zukunft zu versetzen. In diesem Fall haben wir uns vorgestellt, dass die Schule im Jahr 2025 einen Preis für ‚gute gesunde Arbeit‘ gewonnen hat und sich die Teilnehmenden des Workshops auf der Feier zur Preisverleihung befinden. Und sie sollen sich mal vorstellen, wovon sie dann voller Stolz erzählen, wenn sie über die Arbeit in ihrer Schule berichten. Und das ist der gedankliche Schritt, der erst mal zum Träumen einlädt. Also sich vorzustellen, was sein könnte, was einer*m stolz an der Arbeit macht, um sich selbst zu vergewissern, wo man dann hin möchte.
Im weiteren Verlauf kamen wir dann zu dieser berührenden Aussage zur Vision: „Unsere Schule ist ein Wohlfühl-Ort, der Lernen und Freude vereint. Dazu stellen wir den Schüler:innen viel Zeit und Platz zur Verfügung. Wenn Schule Spaß macht, lernen Kinder mehr.“

… sich vorzustellen, was sein könnte, was einer*m stolz an der Arbeit macht, um sich selbst zu vergewissern, wo man dann hin möchte. Im weiteren Verlauf kamen wir dann zu dieser berührenden Aussage zur Vision: „Unsere Schule ist ein Wohlfühl-Ort, der Lernen und Freude vereint. Dazu stellen wir den Schüler:innen viel Zeit und Platz zur Verfügung. Wenn Schule Spaß macht, lernen Kinder mehr.

Bleibt es in dem Workshop bei der Formulierung einer Vision?

Nein. Der nächste Schritt ist, nachdem so eine Vision formuliert wurde, das Ganze wieder greifbar zu machen. Also dass man den Schritt wieder von der Zukunft in die Gegenwart macht und sagt: Was muss denn in den nächsten fünf Jahren passieren, damit die Vision wahr wird? Was müssen wir tun, um das Ganze real werden zu lassen?

Was ist der Nutzen dieses Workshops?

Man stellt sich endlich die Fragen, die man sich im Alltag nicht stellt. Man gewinnt ein gemeinsames Verständnis darüber, wo man hin möchte und wie man das gemeinsam verwirklichen kann. Oft beschäftigt sich jede*r Einzelne damit individuell:Man fragt sich zuweilen, wo man selber hin möchte. Aber der gemeinsame Raum für die diese Fragen muss erst mal explizit angeboten werden.

Man stellt sich endlich die Fragen, die man sich im Alltag nicht stellt.

Und warum ist das wichtig?

Jede Organisation befindet sich in einem permanenten Entwicklungsprozess:. Die Entwicklung passiert, ob man will oder nicht. Es gibt äußere Faktoren, die verändern sich, genau wie interne Faktoren. Es braucht ein gemeinsames Bild für Stabilität und Fokus im permanenten Wandel.

Es braucht ein gemeinsames Bild für Stabilität und Fokus im permanenten Wandel.

Man bekommt ein Gefühl dafür, dass man die weitere Entwicklung der Organisation in der Hand hat, und dass man sich selber mit seinen eigenen Ideen einbringen kann. Das ist immens wichtig für unsere Motivation.

Wie hast du den Workshop erlebt? Bleibt da irgendwas in Erinnerung, was dich bewegt hat?

Was mich an dieser konkreten Schule bewegt hat, war dieses Ausmaß mit der sich das gesamte Kollegium auf die Arbeit eingelassen hat. Die Teilnehmer:innen wussten ja teilweise nicht, was da auf sie zukommt. Aber dadurch, dass man die Leute ernst nimmt, Zukunfts-Aussagen zu formulieren und sich Gedanken darüber zu machen, öffnet man erst mal ein Tor. Und was da gekommen ist! Detaillierte und sehr positive Ideen. Tolle Gedanken, wohin denn die Reise gehen soll und wie sie beginnen wird. Ich durfte miterleben, wie viel Spaß das macht und wie viel Energie in diesem Kollegium ist.

Ich durfte miterleben, wie viel Spaß das macht und wie viel Energie in diesem Kollegium ist.

Rückblickend betrachtet: hast du ein Learning, ein Aha-Erlebnis?

Vertrauen in die Teilnehmer:innen des Workshops zu haben: Jede einzelne Person hat eine Vorstellung davon, in welche Richtung die Arbeit gehen soll und was der eigene Beitrag dazu ist, diese mit zu entwickeln und real werden zu lassen, Schritt für Schritt.

Vertrauen in die Teilnehmer:innen des Workshops zu haben: Jede einzelne Person hat eine Vorstellung davon, in welche Richtung die Arbeit gehen soll.

Aus der GITTA- Werkstatt: Monika Förtschbeck fragt ihren Kollegen Sebastian Roth zum Thema: „Warum gemeinsam über die Zukunft nachdenken? Was bringt´s?“
Sebastian Roth
ist Psychologe mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und Berater für gesundheitsorientierte Organisationsentwicklung. Er ist überzeugt davon, dass die Organisationen, die den Menschen ins Zentrum setzen, die erfolgreichen sind.

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